Ausstellung Wolfgang Richter & Markus Miksch im Botanischen Garten Linz

Zwei Künstler, die sich beide mit dem Thema „Vergänglichkeit“ auseinandersetzen, jedoch mit gänzlich unterschiedlicher Arbeitsweise, präsentierten im Sommer 2017 einige ihrer Werke im Gelände des Botanischen Gartens. Die Ausstellungsstücke fügten sich zwischen Stauden und Bäumen, Blüten und Blättern ein und boten spannende Eindrücke.

Wolfgang Richter: Natur.Kunst – botanische Interventionen
Landart

Kreisläufe der Natur lagen den Interventionen zugrunde. Was die Natur im Herbst und vor dem Winter abgeworfen, was die Gärtner zurückgeschnitten und entfernt hatten, bildete Ausgangspunkt und Basis für Formen, Konstruktionen und Objekte, die in einen Dialog mit der Vegetation traten. Dieser Austausch setzte mit der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen unspektakuläre Akzente, die dem Besucher im Botanischen Garten begegneten.

Dazu traten Objekte, die mit der Strategie der Verfremdung andere Materialien ins Spiel brachten. Fundstücke aus der Natur, verbunden mit PU-Schaum und überzogen mit Blattgold bezogen ihren bizarren Reiz aus dem Kontrast der Gegensätze und gingen dennoch eine Symbiose ein, die sich wie selbstverständlich in das Konzept des Botanischen Gartens mit seinen botanischen Attraktionen einfügte.

Geländeplan für die Ausstellungsstücke von Wolfgang Richter (PDF, 699 kB)  (neues Fenster) 
 

Markus Miksch: Skulpturen aus 20 Jahren
Arbeiten in Granit und Eisen

Endzustände sind etwas der Natur an sich Fremdes. Panta rhei – Alles fließt – wussten schon die Menschen im antiken Griechenland und selbst im Tod weigert sich der Mensch etwas Endgültiges zu sehen. Auch die sogenannte unbelebte Natur ist ständigen Veränderungen unterworfen, mögen diese auch Jahrmillionen benötigen, um sich in Form und Aussehen niederzuschlagen. Will man also von einem Endzustand sprechen, so ist dies nur in einem zeitlich begrenztem Rahmen möglich, eigentlich nur einen Moment lang. Bezugnehmend auf die menschliche Wahrnehmung kann aber dieser Moment ausgedehnt werden auf ein Maß, das dieser Wahrnehmung entspricht und den zeitlichen Dimensionen menschlichen Denkens gerecht wird. Der Moment kann so von der Sekunde bis zum Jahrtausend jede beliebige Dauer annehmen.

Die Bildhauerei war bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts immer bestrebt diesen Moment größtmögliche Ausmaße zu verleihen. Im 20. Jahrhundert setzt ein Umdenken ein, man wollte Endgültiges, Endzustände nicht länger akzeptieren; neue Arbeitsweisen, neue Disziplinen der Kunst fassten Fuß. Man fühlte sich bemüßigt mit dem immer rasanteren Entwicklungen Schritt zu halten und der Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit der Welt Rechnung zu tragen und Ausdruck zu geben. Die Zeit der Fertigstellung einer Arbeit, sowohl in der Industrie als auch in der Kunst, wurde minimiert. Der Moment des Endzustandes schrumpft zur Sekunde, jedes Recht auf Dauerhaftigkeit wird ihm abgesprochen, was schließlich, zumindest theoretisch, zu seiner gänzlichen Eliminierung führt.

Hier sei am Rande ein Widerspruch vermerkt. Kein Stein, der Zeitalter zu seiner Entstehung benötigt, erreicht jemals die Lebensdauer der meisten neu verwendeten synthetischen Werkstoffe, deren Herstellung in Stunden vonstattengeht. Auch fehlt diesen Materialien die Fähigkeit zu vergehen, zu sterben, um mit dem Bildhauer Wolf Spemann zu sprechen. Sie sind vom Menschen aus der Natur genommen und haben deren Kreislauf verlassen, ohne die Möglichkeit dorthin zurückzukehren.

Nun sehe ich meine Aufgabe als Bildhauer keineswegs darin begründet, in einer Zeit, in der Fortschritt und Schnelllebigkeit unvorstellbare Ausmaße erreicht haben und sich exponentiell steigern, in einer Zeit in der der Moment des Endzustandes bis zur Inexistenz reduziert ist, mich mit meiner Arbeit einzureihen und Adäquates zu schaffen. Vielmehr ist es mir darum zu tun, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, Ruhepole zu schaffen und den Moment des Endzustandes eine Dimension zu geben, die dem Kreislauf der Natur entspricht, immer eingedenk der Tatsache, daß damit ein Sterben unweigerlich und untrennbar verbunden ist.
 

Ausstellungsort: Botanischer Garten Linz, Freiland
Ausstellungsdauer: Samstag, 24. Juni bis Sonntag, 29. Oktober 2017
Vernissage: Freitag, 23. Juni, 18 Uhr (Eintritt frei)
 

Wolfgang Richter - Biografie (PDF | 222 KB)

Markus Miksch - Biografie (PDF | 137 KB)

Plakat zur Ausstellung (PDF | 998 KB)