Ausstellung Khoan Tran alias Ai Qun: Unter dem gleichen Mond
Traditionelle Chinesische Tuschemalerei
Wie das Erntedankfest feiert auch das chinesische Mondfest die Dankbarkeit für die Natur und die Verbundenheit aller Menschen unter demselben Himmel. Die Ausstellung „Unter dem gleichen Mond“ verbindet diese Gedanken und zeigt im Botanischen Garten chinesische Tuschebilder.
Wie der Mond zwischen Licht und Schatten sich zeigt, lebt die Tusche von der Balance zwischen Schwarz und Weiß – eine Einladung, das Gleichgewicht von Natur und Seele zu entdecken.
Die Midissage findet am Freitag, 25. Oktober 2026, genau zum Tag des chinesischen Mondfestes, statt – ein Abend, an dem Kunst, Natur und Mondlicht sich begegnen. Nach einem musikalisch begleiteten Laternenumzug vom Pavillon zum Seminarraum spricht die Künstlerin Ai Qun über ihre Werke und ihren künstlerischen Zugang.
Angaben der Künstlerin:
Ich heiße Ai Qun – 爱群 – aus dem Chinesischen übersetzt, bedeutet es dem Sinn nach „die Liebe zum Menschen“. Ich kam in den frühen 1980er Jahren im Alter von fünf Jahren mit meiner Familie von Vietnam nach Österreich. Meine Deutschlehrerin unterstützte mich damals, indem sie ihre Erklärungen mit kleinen Zeichnungen veranschaulichte. Diese kreative Art der Wissensvermittlung hat mich stark geprägt und war ein wichtiger Anstoß dafür, selbst künstlerisch tätig zu werden.
In meinen Bildern setze ich mich mit der traditionellen chinesischen Tuschemalerei auseinander, insbesondere mit dem Xie-Yi-Stil auf handgeschöpftem Maulbeerpapier. Dieses sehr dünne, stark saugende Papier erfordert eine schnelle, entschlossene und intuitive Arbeitsweise, da Tusche und Farbe sofort tief in die Fasern eindringen. Der Freihandstil lebt daher von spontanen, möglichst zügigen Pinselstrichen. Dabei geht es mir nicht um eine naturgetreue Darstellung oder Perfektion, sondern um den Ausdruck von Emotion und Inspiration.
Ein wichtiger Aspekt meiner Arbeiten ist die Wirkung von Schwarz, Grau und Weiß. Durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten, klaren Konturen sowie den gezielten Einsatz von nassen und trockenen Techniken entsteht eine besondere Tiefe. Obwohl die Bilder auf den ersten Blick monochrom erscheinen, entfaltet sich bei genauer Betrachtung eine subtile Farbigkeit.
Da Tusche und Farbe sofort tief in das Papier eindringen, sind Korrekturen nicht möglich. Jeder Pinselstrich ist endgültig und spiegelt unmittelbar meine Persönlichkeit sowie die Einzigartigkeit des Moments wider – dadurch wird jedes Werk zu einem Unikat. Ich setze meine Striche intuitiv und ohne Vorzeichnung. Sobald ich darüber nachdenke, wo ein Pinselstrich hingehört, verliert die Darstellung ihre Lebendigkeit und wirkt steif. Es geht mir nicht um Perfektion, sondern um Ausdruck und Lebendigkeit.
Nach dem Malprozess werden die Werke traditionell mit Naturkleister auf eine weitere Papierlage kaschiert, was dem empfindlichen Bildträger Stabilität verleiht, und die Leuchtkraft der Tusche verstärkt. In der chinesischen Tuschemalerei bestätigt das Siegel die Echtheit eines Werkes und steht für die persönliche Handschrift des Künstlers. Erst durch das Siegel gilt ein Bild, als vollendet und wird zum Unikat.
Mein künstlerischer Zugang ist stark von der chinesischen Kultur geprägt, insbesondere vom Prinzip von Yin und Yang. Entscheidend ist für mich das Zusammenspiel von Pinsel, Papier, Tusche und Farbe sowie die Balance zwischen gefüllten Flächen und bewusster Leere.
Da meine Wurzeln in Asien liegen und ich in Österreich aufgewachsen bin, verbinde ich in meiner Kunst fernöstliche Techniken mit europäischer Sensibilität. Ich beschäftige mich intensiv mit der klassischen chinesischen Tuschemalerei und versuche, diese in einen zeitgenössischen europäischen Kontext zu übertragen. Dabei entsteht eine Verbindung zwischen östlicher Philosophie und westlicher Bildsprache, die sich wie ein roter Faden durch meine Werke zieht. Für mich ist es ein zentrales Anliegen, auf diese Weise eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Gleichzeitig lege ich großen Wert auf einen klaren und ausdrucksstarken Stil, der diese Verbindung sichtbar macht.
Viele meiner Werke versehe ich daher noch mit den Zeichen:
每作一画,更趋近我的文化认同
„Jedes Mal, wenn ich ein Bild geschaffen habe, komme ich meiner kulturellen Identität näher.“
Die Ausstellung im Botanischen Garten Linz:
Ausstellungsdauer: Samstag, 19. September bis Sonntag 4. Oktober 2026
Ausstellungsort: Seminarraum im Botanischen Garten Linz
Midissage: Freitag, 25. September, 18:00 Uhr – am Tag des chinesischen Mondfestes (Mid-Autumn Festival) inkl. musikalisch begleitetem Laternenumzug. Ein fest für die ganze Familie! Der Eintritt zur Midissage ist frei!