Naturgarten im Botanischen Garten - Vielfalt auf kleinem Raum

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Übersichtsplan

Naturnahe Gärten bieten einer Vielzahl an Pflanzen und Tieren Lebensraum und erfreuen nicht zuletzt den Gärtner oder die Gärtnerin durch ihre Vielfältigkeit, Wandlungsfähigkeit und Lebendigkeit. Reich strukturierte Gärten mit vielen verschiedenen Elementen wie Blumenwiese, Hecke, Tümpel und Trockensteinmauer schaffen Mikrohabitate (Kleinlebensräume), die Rückzugsmöglichkeit und „Überlebensraum“ für viele Tierarten sind. In unserer intensiv genutzten, ausgeräumten Agrarlandschaft finden sie kaum noch Nahrung, Nist- und Versteckmöglichkeiten. Gärten können hier zumindest teilweise ausgleichend wirken. Viele Studien an Vögeln, Wildbienen und Schmetterlingen haben ergeben, dass gut strukturierte Siedlungsgebiete artenreicher sind, als das umliegende, intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiet. Naturgärten vernetzten Biotope, Tier- und Pflanzenarten können sich nicht nur ansiedeln, sondern von hier aus auch ausbreiten oder wandern. Naturnah gestaltete Gärten sind ein Gewinn für alle Bewohner und tragen zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Auf der Wiese oberhalb des Rosengartens wurde der Naturgartenteil neu angelegt und umgestaltet. Verschiedene Naturgartenelemente (unter anderem Blumenwiese, Hecke, Brachfläche) zeigen, welche Strukturen man auf kleinem Raum schaffen kann, um den Garten für die unterschiedlichsten Tierarten attraktiv zu gestalten. Die angebrachten Nisthilfen und „Nützlingsunterkünfte“ informieren über die Möglichkeiten, Tierarten mit künstlichen Quartieren zu unterstützen. Zur Bepflanzung dieses Teils des Botanischen Gartens wurden ausschließlich heimische Gehölze und krautige Pflanzen verwendet, die von zahlreichen Tierarten genutzt werden können, sei es als Nahrung, Nistplatz, Versteckmöglichkeit oder Jagdrevier.

Naturgartenelemente

Einen großen Teil der Naturgartenfläche nimmt die im März 2020 mit regionalem bio- und REWISA(regionale Wildblumen und Samen)-zertifiziertem Saatgut angelegte Wildblumenwiese ein. Wiesen bieten Lebensraum für Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken und viele andere Kleintiere, die wiederum die Nahrungsgrundlage für etliche Vogelarten im Garten bilden. Blumenwiesen können sich daher zu einem wahren Hotspot der Artenvielfalt entwickeln.

Am besten gelingt die Anlage der Blumenwiese im Herbst oder Frühjahr auf einem mageren Saatbett aus durchlässigem Sand und Kies. Der aktuelle Bewuchs sollte vor der Neuanlage entfernt werden. Je nährstoffärmer der Boden und je sonniger der Standort ist, desto vielfältiger und bunter sind die Wiesenpflanzen, die sich hier etablieren können. Für nährstoffreichere Böden gibt es spezielle Samenmischungen für Fettwiesen, die auch dort für einen bunten Blütenteppich sorgen.

Gemäht sollte die Wiese maximal zweimal im Jahr werden und zwar Ende Juni bis Anfang Juli und Mitte bis Ende September. Im ersten Jahr können Schröpfschnitte nötig werden, wenn sehr konkurrenzstarke Arten wie Gänsefuß oder Hühnerhirse überhandnehmen. Die schnell wachsenden Arten werden dann in einer Höhe von 10 bis 15 Zentimetern gekappt und das Mähgut wird abtransportiert. Bei den normalen Schnitten sollte immer zuerst eine Hälfte und in einem Abstand von zwei Wochen erst die zweite Hälfte gemäht werden. Die Tiere haben so die Möglichkeit in den ungemähten Teil zu flüchten. Das Mähgut sollte zum Absamen noch zwei bis drei Tage liegen gelassen und danach abtransportiert werden. Auf keinen Fall mulchen, da so die Bodenstreu verfilzt und sich Nährstoffe ansammeln. Das führt zu einer Verarmung an Pflanzenarten.

Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen aus regionalem Anbau finden Sie unter DIE UMWELTBERATUNG und beim REWISA-Netzwerk.

Blumenwiese

Naturereignisse berauben immer wieder größere und kleinere Flächen ihres Bewuchses. Diese offenen Flächen werden als Pionierstandorte bezeichnet und jene Pflanzen, die dort zuerst auftauchen, werden Pionierpflanzen genannt. Nährstoffarme Schutt- und Ödlandflächen, sogenannte Ruderalflächen, wo Humus fast gänzlich fehlt, werden dabei innerhalb kürzester Zeit von vielen verschiedenen Pflanzenarten mit bunten Blüten besiedelt. Künstlich angelegte Kiesflächen erlauben etwas von dieser Vielfalt in den Garten zu holen. Die spezielle Flora dieser Flächen beeindruckt nicht nur durch ihre Blütenpracht, sondern lockt viele verschiedene Insektenarten an, die auf Pflanzen von Ruderalstandorten angewiesen sind. Im Herbst bleiben die Fruchtstände stehen, damit die Pflanzen absamen können; außerdem bilden zum Beispiel alte, abgebrochene Stängel von Königskerzen ideale Nistplätze für Keulhorn- oder Maskenbienenarten.

Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen aus regionalem Anbau finden Sie unter DIE UMWELTBERATUNG und beim REWISA-Netzwerk.

abgeblühte Samenstände an einer Brachfläche

Hecke
Im Herbst 2019 wurde an der Nordwest-Seite der Fläche eine etwa 18 Meter lange Hecke aus heimischen Gehölzen gepflanzt. Hecken sind eines der wichtigsten Gestaltungselemente im Naturgarten, denn sie bieten Futter, Wohnraum, Jagdrevier, Unterschlupf, Schutz vor Wind und Wetter, Winterquartier, Balzplatz und vieles mehr.

Die Blätter, Blüten und Früchte der Sträucher stellen Nahrung für viele Insekten, Vögel sowie Kleinsäuger bereit. Schmetterlingsweibchen nutzen Hecken als Eiablageplatz, da ihre Raupen an den Blättern fressen und oft findet die Verpuppung ebenfalls auf den Ästen der Sträucher statt. Für blütenbesuchende Insekten wie Wildbienen oder auch Rosenkäferarten ist der Tisch vom zeitigen Frühjahr bis in den Frühsommer reichlich gedeckt. Blattschneiderbienen nutzen gerne Teile der Blätter von Hartriegeln oder die Blütenblätter von Rosen zum Auskleiden ihrer Brutzellen.

Buchfink, Amsel und Mönchsgrasmücke nisten im Dickicht. Bei Rotkehlchen sowie Wacholderdrosseln stehen die Früchte der Gehölze gerne auf dem Speiseplan. Vor allem im Winter bilden sie einen Großteil ihrer Nahrung, dabei verzehren sie häufig auch Früchte, die für uns Menschen ungenießbar oder sogar wie die „Pfaffenkapperl“ giftig sind. Auch wir Menschen können uns natürlich an der Vielfalt der Früchte bedienen und sie zu Marmelade oder Likören veredeln. Es wird genug für alle sein.

Die Streuschicht am Boden der Hecke steckt ebenfalls voller Leben. Spinnen, bodenbewohnende Insekten, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger wie Spitzmaus und Igel finden Unterschlupf und Winterquartier.
Für die Anlage der Hecke sollten ausschließlich heimische Gehölze verwendet werden, da nur sie die oben genannten Vorteile für Tier und Mensch bieten. Bei der Pflege sollte darauf geachtet werden, dass weniger mehr ist. Es sollten immer nur einzelne Äste entfernt werden und ein allenfalls nötiger Rückschnitt sollte in unbelaubtem Zustand mit einer Säge erfolgen. Dies erleichtert die Arbeit und es werden keine Tiere beim Brutgeschehen gestört. Abgestorbenes Material, Äste und Totholz sollten als Totholzhaufen an oder in der Hecke aufgeschichtet werden. Eine Heckenschere wird man bei einer Naturhecke niemals brauchen.

Ausführliche Liste mit heimischen Gehölzarten von DIE UMWELTBERATUNG (PDF, 5,8 MB)

Die Anlage von Hecken wird durch die Aktion „Naturaktives Oberösterreich“ von der Abteilung für Naturschutz vom Amt der Oberösterreichischen Landesregierung gefördert.

Totholz ist ein verborgener, aber nicht minder wichtiger Lebensraum im Naturgarten. Besteht ein Garten schon länger, fallen von selbst immer wieder größere Äste an, die von Bäumen oder Gehölzen entfernt werden mussten. Ist der Garten noch jung, kann man sich vielleicht einige Äste aus der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis besorgen. Sie werden dann in einem ruhigen Teil des Gartens aufgeschichtet und die Verwandlung beginnt. Bald schon blättert die Rinde ab, die ersten Fruchtkörper von holzzersetzenden Pilzen sind zu sehen. Blindschleichen, Eidechsen und Molche nutzen vermoderndes Holz gerne als Unterschlupf. Bockkäfer- und andere Insektenlarven bohren ihre Fraßgänge durchs Holz. Pilzfressende Käferarten finden sich ein und die Weibchen von Rosen- und Pinselkäfer legen ihre Eier ab. Wird das Holz abgebaut, entsteht Mulm. Dieser besondere Stoff lockt ganz eigene Käferarten wie den Balkenschröter an, dessen Larven auf dieses Material als Futter angewiesen sind. Schreitet der Abbauprozess voran, finden sich auch Asseln und Regenwürmer ein. Je nach Lage und Besonnung des Totholzes wird es von anderen Arten besiedelt. 

Wer die Möglichkeit hat, stehendes Totholz, wie alte, kaum mehr tragende Obstbäume im Garten zu belassen, sollte das tun. Spechte nutzen diese Bäume gern zur Anlage ihrer Bruthöhlen und die Larven vieler Käferarten sind ebenfalls auf stehendes Totholz spezialisiert. Gerne werden ihre Fraßgänge im Anschluss von Wildbienen als Niströhren verwendet.

Stehendes Totholz in alten Gärten

Ein Reisig-Laub-Haufen kann in jedem Garten bereitgestellt werden, da meist genügend Schnittgut anfällt. Aus Altholz, Resten vom Strauchschnitt und Laub wird ein lockerer Haufen aufgeschichtet – je höher, desto besser. Darin bilden sich viele kleine Nischen für die Lebewesen des Gartens. Die Zauneidechse und andere Reptilien nutzen ihn als Eiablageplatz. Liegt der Haufen in der Nähe eines Feuchtbiotops bietet er verschiedenen Amphibien, insbesondere den Jungtieren, Schutz vor Feinden. Als Winterquartier ist er beim Igel beliebt und von Spitzmaus und Zaunkönig wird er ganzjährig genutzt. Dieser kleine Vogel, der gut an seinem gestelzten (meist aufgestellten) Schwanz zu erkennen ist, baut sein kugeliges Nest gerne in Bodennähe unter Ästen und Zweigen.

Laub-Reisig-Haufen im Garten

Eine Trockenmauer oder Trockensteinmauer ist eine Steinmauer, bei der die Steine „trocken“ aufeinander liegen. Die Fugen werden nicht mit Mörtel oder Zement verfüllt. Beim traditionellen Mauerbau werden immer jene Steine verarbeitet, die regional vorhanden sind.

Aus den Ritzen und Fugen sprießen trockenheitresistente Pflanzen wie Steinbrech-Gewächse, Nelken, Fetthenne- und Hauswurz-Arten, die zudem ein mageres Substrat lieben. Ihre Blüten locken viele bestäubende Insektenarten an. In kühleren, stärker beschatteten Bereichen lässt sich auch der Streifenfarn ansiedeln. 

Eidechsen und Blindschleichen wärmen sich gerne auf den Steinen, um bei Gefahr schnell in den Mauerritzen verschwinden zu können, die viele Kleintiere wie Ameisen, Spinnen und Weberknechte beherbergen. Manche Schmetterlingsraupen nutzen die Strukturen der Steinmauer, um sich dort zu verpuppen. Mauer-, Mörtel- und Pelzbienen sowie Lehmwespen bauen ihre Nester an den Steinen. Erdkröte und Grasfrosch profitieren von den Versteckmöglichkeiten dazwischen.

Beim Bau einer Trockenmauer gibt es einiges zu beachten, so ist für Mauern ab einer Höhe von 50 Zentimetern ein Schotterfundament nötig und die Mauer sollte sich immer etwas gegen den Hang neigen. Dazu ist eine gute und stabile Hinterfüllung nötig. Bei freistehenden Mauern, neigen sich beide Seiten einander zu und sie muss innen stabil gefüllt sein.

Trockensteinmauer als Lebensraum für Pflanzen und Tiere


Eine einfachere Variante der Trockensteinmauer ist ein Lesesteinhaufen. Diese Haufen bildeten sich früher automatisch am Rande von Feldern, da es üblich und notwendig war, große Steine händisch von den Äckern zu entfernen, sie also aufzulesen, um die Bodenbearbeitung zu erleichtern. Die Steine wurden dann zu Haufen aufgeschichtet. Sie bieten mit ihren vielen Hohlräumen Schutzbereiche für Hermelin und Mauswiesel, sowie Laufkäfer, Fliegen und Spinnen. Letztere dienen wiederum als Nahrung für Rotkehlchen und Eidechsen. Der Steinhaufen kann auch Lurchen und Kriechtieren als Überwinterungsplatz dienen.

Quartiere für Gartentiere

In unserer heute oft sehr ausgeräumten, intensiv genutzten Landschaft fehlt den unterschiedlichen Tierarten häufig die Möglichkeit, Nester anzulegen oder Unterschlupf zu finden. In der Landwirtschaft werden alte Obstbaumalleen, Einzelbäume und Hecken entfernt, da sie den immer größeren Maschinen im Weg stehen. In der Forstwirtschaft entfernt man alte, morsche Bäume, oft aus wirtschaftlichen Überlegungen. In unseren Gärten können wir da etwas gegensteuern und Quartiere für Tiere schaffen, da nicht alle Gärten von Haus aus genügend geeignete Nistplätze oder Versteckmöglichkeiten für Wildtiere bieten, kann es sinnvoll sein, künstliche anzubringen.

Kohlmeise am Vogelhäuschen

Mit dem Anbringen von Vogelnistkästen kann man vor allem Arten wie Meisen, Rotschwänze, Sperlinge und Kleiber unterstützen, die ihre Nester in Höhlen alter Bäume, in Felsspalten, in Nischen, Mauerhöhlen oder in dichtem Gestrüpp anlegen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Haupttypen von Nistkästen: Höhlenkästen und Halbhöhlenkästen.

Vogelnistkästen sind auch im Shop des Botanischen Gartens erhältlich.

Die Haselmaus ist eine streng geschützte Kleinsäugerart, die vor allem durch Lebensraumverlust, infolge Abholzung von Gebüschen und Hecken und die Umwandlung von artenreichen Wäldern in monotone Fichtenforste, gefährdet ist. Um ihr für den Sommer Quartier zu geben, eignen sich spezielle Haselmauskobel bestens. Sie werden auch gerne von Siebenschläfern, Gartenschläfern, Waldmäusen und Meisen genutzt.

Haselmauskobel

Wildbienennisthilfe gefüllt mit Pappröhrchen
Von den knapp 700 in Österreich heimischen Wildbienenarten sind etwa 19 % Hohlraumbrüter, das heißt, sie legen ihre Brutzellen in bereits bestehenden Hohlräumen an. Einige dieser Arten nutzen auch gerne künstliche Nisthilfen. Etwa zehn Wildbienenarten und einige Grab- und Lehmwespenarten besiedeln die in Gärten aufgestellten Nisthilfen, sofern sie richtig gebaut wurden.

Die häufigste Ohrwurm-Art in Österreich ist der Gemeine Ohrwurm, der mit großem Appetit meist nachts Blattläuse und auch Spinnmilben vertilgt, weshalb er ein gern gesehener Gartenbewohner ist. Tagsüber zieht er sich in Mauerspalten, Ritzen oder auch ein Ohrwurmquartier zurück. Dies sollte ein mit Stroh oder Holzwolle gefüllter Tontopf sein, der umgedreht entweder auf einen Holzstab gespießt oder in einen Baum gehängt wird. Der Tontopf sollte Kontakt mit einem Ast haben, damit die Ohrwürmer ihn gut erreichen können.

Ohrwurmquartier: Tontopf mit Holzwolle gefüllt und in Baum gehängt.

Florfliege auf Margerite
Florfliegenlarven sind ein natürlicher Feind von Blattläusen und den Larven der Spinnmilben und daher im Garten gerne gesehen. Innerhalb ihrer zwei- bis dreiwöchigen Larvenzeit können sie 400 bis 500 Blattläuse vertilgen. Die Überwinterung erfolgt als ausgewachsenes Tier, wofür sie ein schützendes Quartier benötigen. Dies finden sie in naturnah gestalteten Gärten ohne Weiteres in Ritzen und Spalten oder auch in Schuppen und Kellern. Spezielle Florfliegenquartiere wie sie der Handel anbietet, sind ungeeignet und werden nicht bezogen. 

Auch die in vielen Baumärkten und im Internet angebotenen Schmetterlingshäuser, in denen Falter angeblich Schutz suchen oder den Winter verbringen, sind untauglich. Schmetterlinge finden bei widriger Witterung oder im Winter in Naturgärten genügend Versteckmöglichkeiten.

Mehr zum Thema Ausführliche Beschreibungen zu den Nisthilfen und Informationen zu deren Bewohnern.

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