Erhebung der Kleinsäugerarten

Ein Siebenschläfer hat sich in einem Nistkasten einquartiert.

Von März bis Dezember 2001 wurde die Kleinsäuger-Fauna der Stadt Linz (Oberösterreich) untersucht. Gegenstand der Untersuchung war, das Artenspektrum an Kleinsäugern zu erfassen sowie einen Überblick über die Verbreitung der einzelnen Arten im Stadtgebiet zu bekommen.

Es wurden verschiedene Erfassungsmethoden kombiniert:

Erstmalig in Österreich wurde eine so genannte Katzenaktion durchgeführt, bei der Katzenbesitzer zur Abgabe der Beutetiere ihrer Katzen aufgefordert wurden. An dieser Aktion haben sich insgesamt 37 Personen beteiligt, von denen 35 in der Stadt und zwei außerhalb der Stadt wohnen.

Des Weiteren wurden in 11 ausgewählten Probeflächen Lebendfangaktionen durchgeführt. Darüber hinaus konnten Zufallsbeobachtungen und Säugetier-Daten aus der Spurenkartierung sowie der Linzer Brutvogelkartierung (1998–1999, sowie einige Daten von 1994–1995) in die Auswertung integriert werden.

Insgesamt konnten im Stadtgebiet von Linz im Rahmen der vorliegenden Untersuchung 19 Kleinsäuger-Arten nachgewiesen werden.
 
Aus der Ordnung der Insektenfresser (Insectivora) gelang der Nachweis von Igel (Erinaceus europaeus/concolor), Waldspitzmaus (Sorex araneus), Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens) und Europäischem Maulwurf (Talpa europaea).

Die Ordnung der Nagetiere (Rodentia) war durch insgesamt 14 Arten vertreten: Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Rötelmaus (Clethrionomys glareolus), Bisamratte (Ondatra zibethicus), Schermaus (Arvicola terrestris), Erdmaus (Microtus agrestis), Feldmaus (Microtus arvalis), Kurzohrmaus (Microtus subterraneus), Zwergmaus (Micromys minutus), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Waldmaus (Apodemus sylvaticus), Wanderratte (Rattus norvegicus), Hausmaus (Mus musculus), Siebenschläfer (Glis glis) und Haselmaus (Muscardinus avellanarius).

Durch die Katzenaktion konnten zehn, durch den Lebendfang neun Arten nachgewiesen werden. Zufallsfunde erbrachten 11 Artnachweise, die Spuren- und Brutvogelkartierung vier bzw. fünf Arten. Ein Vergleich von Katzenaktion und Lebendfang ergab Differenzen im Artenspektrum und der Dominanzstruktur. Durch die Kombination der Methoden konnten fast alle der für das Stadtgebiet von Linz zu erwartenden Arten nachgewiesen werden.

Die Waldmaus wurde mit 93 Individuen als häufigste Art über das gesamte Stadtgebiet verteilt angetroffen, wobei der Großteil der Nachweise aus der Katzenaktion stammte. Rötelmaus und Gelbhalsmaus dominierten hingegen bei den Fangaktionen in den Wäldern und Grünflächen der Stadt, waren insgesamt jedoch wesentlich weniger häufig.

Die Gartenspitzmaus konnte mit 15 Individuen als häufigste Spitzmausart registriert werden. Während diese eher im Siedlungsbereich angetroffen wurde und nur durch die Katzenaktion erfasst werden konnte, befanden sich die Fundorte der Waldspitzmaus eher in den Randbereichen der Stadt.

Als weitere in Linz häufige Kleinsäuger-Arten können Maulwurf, Schermaus und Feldmaus betrachtet werden, aber auch Igel, Eichhörnchen und Bisamratte dürften größere Bestände aufweisen. Für alle übrigen Arten sind geringere Populationsdichten bzw. nur lokal begrenzte Vorkommen anzunehmen.

Das Stadtgebiet von Linz bietet aufgrund seiner Größe und Vielfalt an Biotoptypen Lebensraum für eine Vielzahl von Kleinsäuger-Arten, wobei das Artenspektrum weitgehend jenem anderer europäischer Städte entspricht.

Artikel zum Thema im Naturkundlichen Jahrbuch Stadt Linz 48 (2002) (PDF | 10,57 MB) G. REITER, M. JERABEK: Kleinsäuger in der Stadt Linz

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