Planungs- und Naturschutzpraxis

Eine wichtige Ebene ist die Sachverständigentätigkeit im Rahmen des Naturschutzrechts. Im Begutachtungsverfahren werden eingereichte Projekte dahingehend analysiert, inwieweit der Naturhaushalt tangiert wird bzw. welche Auflagen zu formulieren sind, damit dieser so wenig wie möglich belastet wird.

In den letzten Jahren wurden mit Erfolg Bachrenaturierungsprojekte verwirklicht, bei denen wir maßgeblich an der Planung und Ausführung beteiligt waren (z.B. Tagerbach, Weidingerbach, Schießstättenbach, Haselbach, Sammelgerinne). Die Stadt Linz gilt mittlerweile österreichweit als Paradestadt der Renaturierungsprojekte. Auch externe Fachdienststellen haben unsere Qualität erkannt: die Wildbach- und Lawinenverbauung oder der Gewässerbezirk Linz greift immer wieder auf unsere Fachkompetenz zurück.

Gemeinsam mit den Stadtgärten wurde vor nunmehr 16 Jahrender erste Linzer Ökopark im Stadtteil Neue Heimat der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Diese fast 60 Jahre alte, verwilderte Brachfläche beherbergt eine große Zahl zum Teil seltener Tier- und Pflanzenarten (unter anderem ist sie der einzige erhaltene Standort des „Feld-Mannstreu“ in Oberösterreich) und dient als extensive Erholungsfläche für die BewohnerInnen dieses Stadtteils. Dieses Parkkonzept hat mittlerweile österreichweit Furore gemacht: der Ökopark wurde unter anderem von Fachexkursionen der Universität für Bodenkultur, der Gartenbauschule Schönbrunn und aus Graz besucht; Fachartikel erschienen z.B. in der Zeitschrift der österreichischen Landschaftsplaner u. -architekten „Zolltexte“ oder in einer WWF-Broschüre.

Seit Jahren betreut die Station die Modell-Amphibienzaunanlage an der Kapuzinerstraße und eine weitere „Am langen Zaun“ in Kleinmünchen. Diese Schutzzäune sollen den Straßentod der Erdkröten verhindern, die bei ihrer alljährlichen Wanderung in die Laichgewässer Gefahr laufen, unter die Räder zu kommen. Eine attraktiv gestaltete Informationstafel in der Kapuzinerstraße veranschaulicht Funktion und Bauweise.

Alle Linzer Wohnungsgenossenschaften praktizieren unter fachlicher Beratung und Betreuung der Naturkundlichen Station seit mehreren Jahren die bewusste Ansiedlung von Tieren im Bereich von Wohnbauten. Im Zuge von Haussanierungen oder Neubauten werden Nisthilfen für Mauersegler, Mehlschwalben, Fledermäuse und Turmfalken angelegt. Auch die Evaluierung dessen, wie sich diese Maßnahmen auf die Tierbestände auswirken, wird von uns bewerkstelligt.

Bereits seit vielen Jahren arbeiten wir erfolgreich mit der Berufsfeuerwehr im Hinblick auf den Hornissenschutz zusammen: Ein Stationsmitarbeiter klärt BürgerInnen, die bei der Feuerwehr anrufen, über die Bedeutung dieser verfolgten Tierart im Naturhaushalt auf. Wenn keine unmittelbare Gefährdung von Menschen gegeben ist (das ist in ca. 50% der Fälle so), gelingt meist die Erhaltung dieser nützlichen Tiere.

Spezielle Artenschutzprojekte beschäftigten sich mit der Erhaltung und Förderung einzelner Arten: so werden an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Vogel- und Fledermausnistkästen betreut: die Nistkästen werden zweimal jährlich kontrolliert, die angetroffenen Arten und deren Nisterfolge protokolliert. Für die Wechselkröten im Linzer Industriegebiet, sie benötigen flache, offene Laichgewässer, werden wenn erforderlich Kleingewässer geschaffen, bestehende kontrolliert und diese wenn notwendig revitalisiert.

Durch gezielte Abwehrmaßnahmen und die „Taubenpille“ wird seit einiger Zeit versucht die Anzahl der Stadttauben in Linz auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Um den Erfolg dieser Maßnahmen zu erfassen wird von der Naturkundlichen Station ein Taubenmonitoringprogramm  durchgeführt in dem an festgelegten Zählpunkten regelmäßig die Anzahl der Tauben ermittelt wird um daraus auf die Bestandsentwicklung zu schließen.

Laufend werden erhaltenswürdige Bäume und Baumbestände begutachtet und im Falle einer positiven Beurteilung zwecks Ausweisung zu Naturdenkmälern an die O.ö. Landesregierung übermittelt.

Auf unsere Initiative wurde die im Eigentum der Stadt Linz befindliche „Pleschinger Sandgrube“ von der O.Ö. Landesregierung zum Naturschutzgebiet erklärt. Im Vorfeld dieser Unterschutzstellung wurde das Gelände intensiv erforscht und ein Schutzkonzept erarbeitet. Das Ergebnis der Forschungstätigkeit mündete in zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, die im Naturkundlichen Jahrbuch erschienen sind.

In Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Agrarbiologie wurde, eine Erhaltungskultur für alte Tafelobstsorten (Obstgenbank) eingerichtet. Dazu wurde eine Obstsortenerhebung durchgeführt und ausgewählte Sorten durch Veredelung und Anzucht in die Kultur aufgenommen. Mittlerweile wachsen ca. 50 alte Kulturobstsorten auf einer Wiese am Linzer Freinberg, um sie vor dem völligen Verschwinden aus unserer Landschaft zu bewahren.

Schon seit mehr als 20 Jahren laufen intensive Forschungen in den Linzer Traun-Donau-Auen. Zentrales Ergebnis dieser Studien ist, dass die Auwälder – trotz Abdämmung und Donauregulierung – immer noch ein hervorragendes Artenpotential besitzen. Deswegen wurden diese Auen mittlerweile als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Außerdem lag es nahe das Gebiet wegen der europaweit schützenswerten Lebensräume und Tierarten als Natura 2000-Gebiet zu melden. Damit steht eine Fläche von 664 ha – für die derzeit auch ein Managementkonzept erarbeitet wird – quasi unter EU-Schutz.

Seit 15. September 2006 sind die Naturwanderwege in den Traun-Donau-Auen geöffnet und verlaufen attraktiv durch die sensiblen Naturzonen dieses Areals. Die Wanderwege konzentrieren sich speziell auf den westlichen Teil der Donauauen im Nahbereich zur Solarcity. Unter anderem stehen ein Rundwanderweg um den großen Weikerlsee, eine Wanderstrecke durch die Traunauen sowie ein Rundwanderweg in den Donauauen zur Verfügung.

Seit Jahren läuft mit Erfolg ein Programm zur Förderung von ökologisch orientierten Landschaftspflegemaßnahmen durch die Linzer Stadtbauern (Stadtbauernförderung). 100 000 Euro aus dem Umweltfond stehen dafür zur Verfügung. Wir haben nicht nur den inhaltlichen Rahmen dieses Förderungsprogrammes entwickelt sondern sind auch mit der jährlichen Abwicklung der Förderung (Begutachtung der Anträge, Berechnung der Förderungshöhe, Statistik) beschäftigt. Zu ergänzen ist, dass die Stadt Linz mit diesem Programm österreichweit viel beachtet wird.

Aufgaben der Naturkundlichen Station