Planungs- und Naturschutzpraxis

Planungs- und Naturschutzpraxis

Gerade über die letzten Jahre hat die Planungs- und Naturschutzpraxis einen immer breiteren Raum in unserer Arbeit eingenommen. Viele neue Projekte wurden und werden initiiert und erfolgreiche Programme wie das Anbringen und Kontrollieren von Nisthilfen oder die Stadtbauernförderung seit vielen Jahren fortgeführt. Sie alle verfolgen mit Vehemenz das Ziel dem Artensterben und dem Verlust von Lebensräumen entgegen zu wirken und die Naturvielfalt in Linz zu erhalten.

Eine wichtige Ebene in der Naturschutzpraxis ist die Sachverständigentätigkeit im Rahmen des Naturschutzrechts. Im Begutachtungsverfahren werden eingereichte Projekte dahingehend analysiert, inwieweit der Naturhaushalt tangiert wird beziehungsweise welche Auflagen zu formulieren sind, damit dieser so wenig wie möglich belastet wird.

In den letzten Jahren wurden mit Erfolg Bachrenaturierungsprojekte verwirklicht, bei denen wir maßgeblich an der Planung und Ausführung beteiligt waren (z.B. Tagerbach, Weidingerbach, Schießstättenbach, Haselbach, Sammelgerinne und Wambach). Die Stadt Linz gilt mittlerweile österreichweit als Paradestadt der Renaturierungsprojekte. Auch externe Fachdienststellen haben unsere Qualität erkannt: die Wildbach- und Lawinenverbauung oder der Gewässerbezirk Linz greift immer wieder auf unsere Fachkompetenz zurück.

Einschüttungen am Tagerbach

Seit Jahren betreut die Naturkundliche Station die Modell-Amphibienzaunanlage „Am langen Zaun“ in Kleinmünchen und einen Krötenzaun an der Mönchgrabenstraße. Diese Schutzzäune sollen den Straßentod der Erdkröten verhindern, die bei ihrer alljährlichen Wanderung in die Laichgewässer Gefahr laufen, unter die Räder zu kommen.

Das Gewässer, das von den Erdkröten im Bereich der Mönchgrabenstaße zum Laichen genutzt wird, ist nicht ideal, da das Wasser stark verschmutzt ist und der Teich zum Teil ausgeräumt wird, wenn sich Kaulquappen darin befinden. Im Schiltenbergwald wird daher ein neuer Teich für die Kröten angelegt, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, denn dieses Gewässer verfügt dann zum einen über sauberes Wasser und macht zum anderen die Wanderung über die gefährliche Straße überflüssig. Es wird jedoch einige Jahre dauern, bis alle Kröten den neuen Teich angenommen haben.

Für die seltenen Wechselkröten ist in diesem Bereich ebenfalls ein neues, flaches Laichgewässer angelegt worden. Auch im Linzer Industriegebiet gibt es eine Population dieser wärmeliebenden Krötenart. Diese wird dort ebenfalls durch die Schaffung von Kleingewässern gefördert. Bestehende Gewässer werden regelmäßig kontrolliert und wenn notwendig revitalisiert.

Anlage eines Wechselkröten-Laichgewässers im Schiltenbergwald.

Krötenschutzzaun entlang der Straße

Nisthilfen für Schwalben unter einem Hausdach angebracht.

Alle Linzer Wohnungsgenossenschaften praktizieren unter fachlicher Beratung und Betreuung der Naturkundlichen Station seit mehreren Jahren die bewusste Ansiedlung von Tieren im Bereich von Wohnbauten. Im Zuge von Haussanierungen oder Neubauten werden Nisthilfen für Mauersegler, Mehlschwalben, und Turmfalken angelegt, über 3000 Stück wurden im Laufe der letzten Jahre angebracht.

An den Bäumen der Linzer Parks befinden sich Fledermausbretter (Tageseinstand für Fledermäuse) und 380 Vogelnistkästen wovon 28 Spezialnistkästen für Waldkauze sind. Am Gelände der Johannes Kepler Universität gibt es Dohlennistkästen, die von einer Population von etwa 70 Brutpaaren genutzt werden. Einmal im Jahr werden diese Nistkästen kontrolliert, die angetroffenen Arten und deren Nisterfolge protokolliert.

Mehr zum Thema Ausführliche Beschreibungen zu den Nisthilfen und Informationen zu deren Bewohnern.

Eisvogel

Mit seinem leuchtend blau und goldgelb schillernden Gefieder ist der Eisvogel (Alcedo athis) unverwechselbar und einer der buntesten heimischen Vögel. Er eignet sich hervorragend als Indikator für gesunde Gewässer. In stark industrialisierten, dicht bevölkerten Regionen ist er mittlerweile eine ausgesprochene Seltenheit. In den Traun-Donau-Auen sind ebenfalls nur noch wenige Brutreviere vorhanden.

Da vor allem das Brutplatzangebot der limitierende Faktor ist, werden seit 2017 an sechs Bereichen des Mitterwassers jährlich die Brutwände gepflegt und kontrolliert.

Eisvogel-Brutwände am Mitterwasser im Süden von Linz

Im Europäischen Naturschutzjahr 1995 wurde der Vogellehrpfad als Privatinitiative des Linzer Magistratsmitarbeiters Erich Zeindlhofer gegründet und 1996 mit dem Linzer Umweltschutzpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2009 übernahm die Stadt Linz den Lehrpfad und seitdem wird er durch die Naturkundliche Station betreut.

2011 erfolgte eine Neugestaltung der Schautafeln. Der Vogellehrpfad erstreckt entlang der Pferdebahnpromenade in Sankt Magdalena, die auf einem Teil der Trasse der historischen Pferdeeisenbahn von Linz nach Budweis verläuft.

Entlang des Weges finden Sie auf 11 Schautafeln Wissenswertes über die hier vorkommenden Vertreter der heimischen Vogelfauna. Die Palette reicht von den Vögeln im Siedlungsraum über Waldvögel, Spechte und Greifvögel. Sie bekommen Tipps zum Bau von Nistkästen und erfahren wie Sie Ihren Privatgarten naturnah und damit vogelfreundlich gestalten können.

Tafel vom Vogellehrpfad an der Pferdebahnpromenade

Hornissen sind die größten einheimischen Wespen und außerhalb ihres Nestbereichs sehr friedlich. Nur in einem Radius von etwa 4 Metern um das Nest reagieren sie sensibel auf Störungen. Im Garten sind sie sehr nützlich, da sie für die Aufzucht ihrer Larven große Mengen an anderen Insekten wie Mücken, Fliegen und Raupen, aber auch Wespen benötigen. Sie sorgen so für das biologische Gleichgewicht. Wenn also keine Gefährdung von Menschen gegeben ist, kann das Nest bedenkenlos an Ort und Stelle belassen werden, zum beiderseitigen Nutzen. Im Herbst stirbt das Hornissenvolk ab. Das alte Nest wird im kommenden Jahr nicht mehr bezogen.

Ist jedoch Gefahr im Verzug, kann man sich an die Berufsfeuerwehr wenden, die das Nest unter Erhalt des Hornissenvolkes professionell entfernen kann.

Hornisse

In Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Agrarbiologie wurde in den 1990ern eine Erhaltungskultur für alte Tafelobstsorten (Obstgenbank) eingerichtet. Dazu wurde eine Obstsortenerhebung durchgeführt und ausgewählte Sorten durch Veredelung und Anzucht in die Kultur aufgenommen. Seit 1998 wachsen etwa 50 alte Kulturobstsorten auf einer Streuobstwiese am Linzer Freinberg, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Alte Sorten haben oft einen sehr charakteristischen Geschmack und weisen eine hohe Spezialisierung an unterschiedliche Standorte und Verwendungsmöglichkeiten wie Backen, Dörren und Mosten auf. Oft kommen sie nur in einem begrenzten Gebiet vor und sind dadurch gut an lokale Klima- und Bodenbedingungen angepasst. Das macht sie weniger anfällig gegenüber Schädlingen und Krankheiten, wodurch sie eine wichtige Genreserve für die Zukunft darstellen.

Mittlerweile haben sich die Obstwiesen in Linz auf rund 22.000 Quadratmeter ausgedehnt und auch im Hummelhofwald, bei der Feuerwache Nord, am Biesenfeld sowie beim Kampmüllerweg wachsen seltene, alte und vor allem bodenständige Obstsorten mit so klingenden Namen wie „Kronprinz Rudolf“ oder „Glückskugel“.

Im Herbst darf geerntet werden. Das Mitnehmen der Früchte in Haushaltsmengen ist erlaubt und sogar erwünscht.

Mehr zum Projekt "Linz pflückt"

Apfelsorten

Seit vielen Jahren gibt es im Botanischen Garten bereits einen Naturgartenbereich, dessen Zustand in der letzten Zeit aber nicht mehr optimal gewesen ist. Es wurde deshalb die Neuanlage des Bereiches beschlossen, die momentan gerade ausgeführt wird. Eine Hecke aus heimischen Sträuchern wurde bereits gepflanzt und die Anlage der Blumenwiese befindet sich bereits in vollem Gange. Weiters soll noch eine Trockensteinmauer errichtet und eine Brachfläche angelegt werden.

Gärten können Refugien für viele Wildtiere sein, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Unabdingbar sind heimische krautige Pflanzen mit ungefüllten Blüten, damit Blütenbesucher Nektar und Pollen in vollem Umfang nutzen können sowie heimische Sträucher, die Nahrung, Schutz und Brutmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus kann der Garten mit Strukturelementen wie Sandflächen, Trockensteinmauern und Totholzhaufen bereichert werden. In größeren Gärten können auch Blumenwiesen angelegt werden, die nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Nisthilfen können einen zusätzlichen Anreiz für einzelnen Tierarten schaffen. Es gilt je vielfältiger der Garten, desto vielfältiger seine Bewohner. Sie können dadurch einen kleinen Ausgleich zum immensen Lebensraumverlust im Umland schaffen.

Mehr zum Naturgarten im Botanischen Garten

Hummel auf Flockenblume

Schon seit 30 Jahren laufen intensive Forschungen in den Linzer Traun-Donau-Auen. Zentrales Ergebnis dieser Studien ist, dass die Auwälder – trotz Abdämmung und Donauregulierung – immer noch ein hervorragendes Artenpotential besitzen. Die 664 ha große Fläche wurde deshalb 2011 als Europaschutzgebiet ausgewiesen. Der westliche Teil der Donauauen im Nahbereich der Solarcity ist durch Wanderwege gut erschlossen und ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Blick in die Auen. Im ruhigen Wasser liegt Totholz.

Seit Jahren läuft mit Erfolg ein Programm zur Förderung von ökologisch orientierten Landschaftspflegemaßnahmen durch die Linzer Stadtbauern (Stadtbauernförderung). 90.000 Euro aus dem Umweltfond stehen dafür zur Verfügung. Die Naturkundliche Station hat nicht nur den inhaltlichen Rahmen des Förderprogramms entwickelt, sondern ist auch die für jährliche Abwicklung der Förderung (Begutachtung der Anträge, Berechnung der Förderungshöhe, Statistik) zuständig.

Wiese mit Obstbäumen

Aufgaben der Naturkundlichen Station