Tagaktive Schmetterlinge

Ökologische Bewertung verschiedener Lebensraumtypen im Südosten der Stadt Linz mittels tagaktiver Schmetterlinge

In den Linzer Augebieten an Traun und Donau wurden bereits seit Mitte der 1980er Jahre faunistische Untersuchungen an Schmetterlingen durchgeführt. Dabei standen die sogenannten „Nachtfalter" im Vordergrund, die sich wegen ihrer großen Zahl an spezialisierten und seltenen Arten gut zur Charakterisierung und Bewertung von Lebensräumen eignen. Auch bei Tagfaltern und Widderchen gibt es solche Indikatorarten, die als standorttreue Tiere besonders wertvolle Lebensräume – zum Beispiel Magerwiesen – bewohnen. Daneben ist für den Naturschutz auch eine Kenntnis der Akzeptanz der Schmetterlinge gegenüber vom Menschen stark geprägten Standorten von Bedeutung (Dorf, Wirtschaftsland, Straßenränder, künstliche Dämme, Forste und viele mehr). Bei halbwegs naturnaher Gestaltung dienen sie den Schmetterlingen einerseits als Korridor, um in der Umgebung günstige Biotope zu finden (Populationsdurchmischung, Ausbreitung, Ausweichmöglichkeit), und sie fungieren außerdem für die Falter häufig als Nektarweide. Geeignete „Kinderstuben" sind sie nur in Ausnahmefällen – die Raupen unserer Schmetterlinge sind empfindlich, was Futterpflanzen, Bewirtschaftung, Mikroklima und so weiter angeht. Die starke Bindung an bestimmte Lebensräume ist auch der Hauptgrund für den rasanten Abbau der heimischen Tagfalterfauna: mehr als zwei Drittel der in Österreich vorkommenden Tagfalter sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht!

In der vorliegenden Studie wurden in allen untersuchten Lebensraumtypen insgesamt 46 verschiedene Falterarten nachgewiesen, wobei es sich bei 29 um Echte Tagfalter und Dickkopffalter, bei vier um Widderchen und bei 13 um andere Arten handelte.

Am falterreichsten waren die künstlichen Dämme, gefolgt von einer Streuobstwiese in Pichling, danach kamen die Waldschläge am Schiltenberg. Die anderen Lebensraumtypen wie Schotterstraße, Tagerbach oder Dorf wiesen geringer Artenzahlen auf, auch kamen dort fast nur Ubiquisten und wandernde Weißlinge vor.
Um die artenarmen Lebensräume für Schmetterlinge attraktiver zu gestalten, wird empfohlen breite Ränder der Fettwiesen zu extensivieren, extensiv bearbeitete Randstreifen entlang von Schotterstraßen zu schaffen, Gärten möglichst naturnah zu gestalten und im Wald eine Mischwaldstruktur mit hohem Laubbaumbestand zu fördern.

Lebensweise und Schutz tagaktiver Schmetterlinge im Bereich der Hochwasserschutzdämme im Linzer Stadtgebiet

Hochwasserdämme zählen zu den reichhaltigsten Tagfalter-Lebensräumen. Ihre oft trockenen und nährstoffarmen Wiesen sind vom Blütenangebot, von der Pflanzenvielfalt und vom Topoklima (= Standortklima) her geeignet, neben etlichen wenig anspruchsvollen Wiesenschmetterlingen auch die auf Halbtrocken- und Trockenrasen spezialisierten Arten zu beherbergen. Das ist umso bedeutsamer, als diese Arten wie ihre Lebensräume hochgradig gefährdet sind. Die Bewirtschaftung magerer und trockener Wiesen lohnt in vielen Fällen heute nicht mehr; ohne Mahd verbuschen sie aber, werden mit Fichten aufgeforstet, durch Düngung in Fettwiesen umgewandelt, verbaut oder umgebrochen – damit verschwinden auch die für diese Standorte typischen Faltergesellschaften.

Eine Kartierung längerer Damm-Abschnitte im Linzer Raum ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. 53 Dammabschnitte, die in fünf Gruppen (Halbtrockenrasen und trockenere Glatthafer-Fettwiesen, mehrschürige Wirtschafts-Fettwiesen, ruderale Hochstaudenfluren, Hochstaudenfluren, inhomogene Restgruppe) zusammengefasst wurden, sind Gegenstand der Untersuchung. Die Bestände der tagaktiven Schmetterlinge wurden mittels der Linientaxierung nach Reichholf erhoben. Insgesamt konnten auf den Dammabschnitten 45 tagaktive Schmetterlingsarten nachgewiesen werden, davon entfallen 31 auf die Tagfalter (inklusive Dickkopffalter), zwei auf die Widderchen (Blutströpfchen), drei auf die restlichen Spinner und Schwärmer, vier gehörten zur Familie der Eulenfalter und fünf zu den Spannern. In den kartierten Dammabschnitten kamen sowohl oberösterreichweit gefährdete Arten wie die Plebejus argus-Gruppe als auch in ihren Beständen im Linzer Stadtgebiet rückläufige Arten wie der Kleine Perlmutterfalter (Issoria lathonia) vor.

Durch besonders hohe Arten- und Individuenzahlen ausgezeichnet waren die einschürigen Wiesen und bunten Hochstaudenfluren. Die meisten der festgestellten gefährdeten Arten kamen in diesen Habitat-Typen vor. Diesbezüglich von geringem Wert waren die zweischürigen Fettwiesen im Bereich der Donaudämme.

Das Ergebnis der Falterzählung wurde entscheidend durch die Mahd beeinflusst, da die meisten Falter offenbar abwanderten. In vielen Fällen fand der Schnitt zur Zeit der höchsten Individuendichte statt (Juli). Als günstigste Mahdzeit wird in der Literatur im Allgemeinen der September-Beginn angegeben, für Fettwiesen auch ein zweiter Schnitt Ende Mai. Zusätzlich wird eine mosaikartige Mahdfolge (Randstreifen) und das Aufkommenlassen einzelner Sträucher propagiert.