Naturjuwel Segelflugplatz Linz-Ost – Hotspot der Artenvielfalt
Flugfeld mit Sicht auf den Hangar
Natternkopf und Hohes Fingerkraut
Wilde Möhre
Seltener Gast in Linz - Resedafalter

Kleintierhabitat und Trockensteinmauer beim Segelflugplatz
Der Biber fühlt sich am Qualmbach wohl

Wiedehopf (Upupa epops)
Stolperkäfer, seine Larven entwickeln sich in Totholz
Feldhase, ein häufiger Bewohner des Flugplatzes
Letzte große, grüne Oase im Industriegebiet
Linz ist Vieles: Landeshauptstadt, Industrie-, Sport- und Kulturstadt. Was in der Aufzählung aber oftmals vergessen wird – Linz ist Naturstadt. So besteht innerhalb der Stadtgrenzen eine beeindruckende Fülle an Pflanzen und Tieren, die meist im Verborgenen lebt. Ob in Wiesen, Kleingewässern, Wäldern oder auch direkt angrenzend an das Industriegebiet – am Linzer Segelflugplatz.
Wer beim Wort „Flugplatz“ an dröhnende Motoren, asphaltierte Rollfelder und allgemeine Hektik denkt, kennt den Segelflugplatz OST nahe des Linzer Tankhafens nicht. Gerade an den Rändern des weitläufigen Areals findet die Stadtnatur das, was sie zum Leben braucht: Wiesen, Hecken, Stauden, Flurgehölze und Tümpel – allesamt wichtige Lebens- und Rückzugsräume für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten.
Auf seinen rund 30 ha fühlen sich unter anderem Libellen, Amphibien, Reptilien, Biber, Niederwild, Igel, Wildbienen- und Schmetterlingsarten wohl, aber auch totholzbewohnende Insekten siedeln sich in diesen von großer Pflanzenvielfalt geprägten Bereichen an. Der ausgedehnte Wiesenbereich in der Mitte – aufgrund seiner Nutzung als Flugfeld stets kurz geschnitten – ist Anziehungspunkt für Feldhasen und auch Mäuse, weshalb er gerne von Turmfalken als Jagdrevier genutzt wird.
In früheren Zeiten war der Linzer Osten stark von der Donau geprägt und von Auwäldern überzogen. Bis zur Mitte des 20 Jahrhunderts wurde die Flächen landwirtschaftlich genutzt, ehe sich zwischen Donau und Tankhafen ein ziviler Segelflugplatz entwickelte, während die übrigen Ackerflächen Industrie- und Gewerbeanlagen weichen mussten.
Gerade in urbanen Bereichen muss der Schutz von Lebensräumen zur Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten noch stärker im Vordergrund stehen. Vielfältige Grünräume und Habitate wirken sich positiv auf das Stadtklima aus, stabilisieren Ökosystemkreisläufe, dienen der Erholung der Bewohner*innen und ermöglichen Kindern und Jugendlichen wertvolle Naturerfahrungen. Beim Naturschutz in der Stadt soll die Natur nicht vor, sondern vor allem für den Menschen geschützt werden. Nicht nur die klimatischen Veränderungen stellen die Natur in der Stadt vor große Herausforderungen, sondern auch die Verbauung oder gewerbliche Nutzung von einstigen Naturflächen.
Gemeinsam mit den Segelflugvereinen Union, ASVÖ und ASKÖ, dem Naturschutzbund Oberösterreich, der Naturschutzbund-Stadtgruppe Linz, dem Rotary Club Linz-Landhaus und vielen anderen engagierten Personen hat sich die Naturkundliche Station das Ziel gesetzt den Linzer Segelflugplatz als Biodiversitätshotspot zu erhalten und durch das Setzen gezielter Maßnahmen noch zu verbessern.
Um die Diversität und die natürlichen Lebensräume auf dem Segelflugplatz gezielt zu erhalten und zu erhöhen, wurde 2021 von der Naturkundlichen Station ein Konzept erarbeitet, welches die Grundlage für eine partnerschaftliche Diskussion aller Stakeholder bei einem ersten Treffen am Flugplatzgelände bildete.
Aus dem Konsens heraus, dass diese grüne Oase im Linzer Osten unbedingt erhalten bleiben müsse, entwickelte sich ein groß angelegtes, umfassendes Naturschutzprojekt mit vielen Kooperationen, das beispielgebend ist, wie Natur in der Stadt funktionieren kann.
Den Anstoß zu diesem Konzept gaben die umfangreichen Forschungsarbeiten von Franz Huebauer und Werner Weißmair zur Wechselkröte im Linzer Industriegebiet und die Schmetterlingskartierung der Naturkundlichen Station im Jahr 2020 auf dem Segelflugplatz (siehe Link in der Literaturliste unten).
Mit der Zuerkennung eines mit 5.000 Euro dotierten Preises beim Grand Prix der Biodiversität des Naturschutzbundes Österreich im Jahr 2022 starteten die ersten Umsetzungsmaßnahmen. Ein Amphibienteich in unmittelbarer Nähe der Hangars, der mittlerweile nicht nur von der Wechselkröte (Bufotes viridis) gut genutzt wird, konnte angelegt werden. Nistkästen für höhlenbrütende Vögel und Mauersegler sowie Fledermausbretter, als Tagesquartier für die nächtlichen Insektenjäger wurden an geeigneten Stellen montiert. Sträucher wurden gesetzt und für den südlichen, wenig durch den Flugverkehr genutzten Teil ein spezielles Mahdkonzept erstellt. Dieses wird von den Fliegerclubs vorbildhaft umgesetzt und trägt mittlerweile erste Früchte. Es entstand ein idealer Lebensraum für den seltenen Neuntöter (Lanius collurio), einer Vogelart, die offene Flächen und einzelne Gehölze als Ansitzwarte und Neststandort benötigt, Bedingungen, die bei uns selten zu finden sind.
Mehr als 30 Vogelarten, 33 tagaktive Schmetterlingsarten, unzählige weitere Insekten, Reptilien wie Zauneidechsen sowie verschiedene Nattern, Amphibien wie Wechselkröten, Fledermäuse, aber auch Feldhase, Marder und Igel und nicht zuletzt der Biber fühlen sich auf diesem Gelände zu Hause.
Gemeinsam mit dem Naturschutzbund Oberösterreich wurden Nistkästen für den Wiedehopf (Upupa epops) Oberösterreich angebracht worden und sollen den in Oberösterreich sehr seltenen Brutvogel auf den Segelflugplatz locken. Sichtungen dieses exotisch wirkenden Vogels mit der auffälligen Federhaube gab es bereits. Die wärmeliebende Art bevorzugt offene Landschaften mit Gehölzstrukturen und einem reichhaltigen Angebot an großen Insekten. Dies alles bietet der Linzer Segelflugplatz.
2025 konnten über ein Projekt des Rotary Clubs Linz-Landhaus vier weitere unterschiedlich große und tiefe Amphibienteiche angelegt werden, die vor allem der stark bedrohten Wechselkröte als Laichgewässer dienen sollen. Die Wechselkröte bevorzugt flache und bewuchslose Gewässer. Diese haben den Vorteil, dass sie von ihren Konkurrenten den Wasserfröschen kaum genutzt werden, trocknen jedoch in den immer heißeren und trockeneren Sommern häufig aus. Die tieferen Teiche sollen das ausgleichen, da sie auch bei längeren Trockenperioden noch Wasser führen. Bitte Hunde in diesen Teichen nicht baden lassen, da da sie beim Durchlaufen mit ihren Beinen die Laichschnüre herausziehen.
Ebenfalls 2025 wurde von den Landschaftsgärtner-Lehrlingen des Magistrats mit großer Sorgfalt ein Kleintierhabitat samt Trockensteinmauer umgesetzt. Dieses Bauwerk am westlichen Rand des Segelflugplatzes gelegen, wird nicht nur vielen Tieren wie Amphibien, Reptilien und Insekten als Unterschlupf, Nahrungs- und Nistplatz dienen, sondern ist auch optisch eine Augenweide und zeigt das Können der städtischen Lehrlinge.
Entlang eines circa 3,3 km langen Weges rund um den Segelflugplatz werden auf 13 Schautafeln die wichtigsten hier vorkommenden Lebensräume und Tiergruppen vorgestellt. Zusätzlich erfährt man wie ein Kleintierhabitat angelegt wird und was es bei der Anlage, die auch im eigenen Garten möglich ist, zu beachten gilt.
Für die attraktive Präsentation der Tafeln zeichnen die Segelflugvereine verantwortlich.
ÖKO.L 44/4 (2022): 3-12 (PDF | 995 KB)
G. FUSS: Schutz tagaktiver Schmetterlinge im Bereich des Segelflugplatzes Linz
ÖKO-L 40/2 (2018): 29-35
W. WEISSMAIR, F. HUEBAUER: Die Linzer Wechselkröten (Bufotes viridis) - ein Update
- Denisia 22, 2008: 132pp W. WEISSMAIR, J. MOSER: Atlas der Amphibien und Reptilien Oberösterreichs
- Natur & Land 3-5/2005: 6 (PDF | 6.2 MB | Deutsch) W. WEISSMAIR, I. HAGENSTEIN: Kostbarkeiten in Österreichischen Städten – Wechselkröten im Linzer Industriegebiet
- ÖKO.L 20/1 (1998): 25-30 (PDF | 425 KB | Deutsch) W. WEISSMAIR: Zum aktuellen Vorkommen der Wechselkröte (Bufo viridis) im Industriegebiet von Linz
- Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz 42/43, 1996/97: 121-179 (PDF | 25 MB | Deutsch) W. WEISSMAIR: Die Herpetofauna von Linz (Oberösterreich) - Eine Zwischenbilanz