Hummeln – fleißige Brummer im Pelzmantel

Hummeln gehören zu den bekanntesten Insekten. Gerade im Frühjahr sind sie gut zu beobachten, wenn die großen Königinnen noch nach Nistplätzen suchen oder bereits auf Futtersuche gehen, um den Nachwuchs zu versorgen. In Österreich gibt es 46 verschiedene Hummelarten, die wie Wildbienen und Honigbiene zu den Stechimmen (Aculeata) gehören. Hummeln bilden so genannte Sommerstaaten, die nur wenige Monate lang existieren.

Nestbau und Versorgung des Nachwuchses

Nach dem Winterschlaf in einem geschützten Quartier erwachen die jungen Königinnen und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Nest. Gerne werden Mausnester, Vogelnester, Baumhöhlen oder auch Hohlräume in Isolierungen und Hausverschalungen angenommen. Manche Arten besiedeln auch spezielle Hummelnistkästen.

Ist ein idealer Platz gefunden, baut die Königin die erste Brutzelle, legt sechs bis acht Eier und versorgt die daraus schlüpfenden Larven mit Pollen, den sie an Blüten sammelt. Viele Hummelarten beginnen schon früh im Jahr mit dem Brutgeschäft und müssen auch bei tiefen Temperaturen das Nest verlassen, um für sich und den Nachwuchs Nahrung zu sammeln. Schon bei 3–4 °C Außentemperatur kann man herumfliegende Hummeln beobachten, ihre Körpertemperatur muss dafür allerdings 30–35 °C betragen. Diese erreichen sie durch Muskelzittern der Flügelmuskulatur, die zu diesem Zweck von den Flügeln abgekoppelt werden kann. Auch das dichte Haarkleid dient als Kälteschutz. Diese Ausflüge verbrauchen allerdings viel Energie, die die Hummelkönigin in Form von Nektar zu sich nehmen muss. Es werden daher im Hummelnest auch Vorratszellen, sogenannte Wachstöpfchen angelegt, in denen Honig für Schlechtwetterperioden gelagert wird. Etwa einen Monat nach der Nestgründung schlüpfen aus den verpuppten Larven die ersten, meist sehr kleinen Arbeiterinnen und die Hummelkönigin bekommt Unterstützung. Sobald die Arbeiterinnen die ersten Sammelflüge unternehmen, bleibt die Königin im Nest und widmet sich ganz dem Eierlegen.

Je nach Art kann das Volk eine Größe zwischen 50 und einigen Hundert Arbeiterinnen erreichen. Hat das Hummelvolk seinen zahlenmäßigen Höhepunkt erreicht, werden Geschlechtstiere produziert. Die Königin legt nun gezielt unbefruchtete Eier, die sich zu Männchen (Drohnen) entwickeln. Befruchtete Eier entwickeln sich zu Weibchen, wobei nun besonders große und begattungsfähige Weibchen entstehen. Nach der Verpaarung suchen sich die Jungköniginnen ein Winterquartier, oft in lockerer Erde oder tiefen Moosschichten. Das übrige Volk, inklusive der Männchen und der alten Königin, stirbt allmählich ab. Das geschieht je nach Art zwischen August und Oktober. Ein altes Nest wird nicht wieder besiedelt.

Fleißige Bestäuber

Hummeln sind ausgezeichnete Bestäuber, die im Vergleich zur Honigbiene die zwölffache Menge an Nektar sammeln können und somit auch ein Vielfaches mehr an Blüten bestäuben, doch nicht jede Hummelart besucht jede Blüte. Es hängt von der Rüssellänge ab, welche Blüten bevorzugt werden. Die Mundwerkzeuge kurzrüsseliger Arten sind wie bei der Honigbiene 6 bis maximal 8 mm lang, während sie bei langrüsseligen Arten bis 15 mm messen können. Blüten mir langer Kronröhre bieten mehr Nektar, weshalb sie von langrüsseligen Hummeln bevorzugt werden. Kurzrüsselige müssen sich mit anderen Blüten begnügen, außer sie bedienen sich eines Tricks und begehen „Nektarraub“, indem sie langröhrige Blüten seitlich anbeißen und so den Nektar aussaugen.

Manche Pflanzen wie Beinwell und Tomaten sind auf die Bestäubung durch Hummeln angewiesen, denn nur sie beherrschen das Vibrationssammeln, bei dem durch gut hörbares Vibrieren der Flügelmuskulatur („buzzing“) der Pollen aus den Blüten herausgeschüttelt wird.

Hummeln in Gefahr

Hummeln haben wie alle Tier- und Pflanzenarten mit natürlichen Feinden zu kämpfen. Wachsmotten, eine Kleinschmetterlingsart, können innerhalb weniger Wochen durch Fraß an Nahrungsvorräten und Larven einzelne Hummelnester völlig zerstören. Der schlimmste Gegenspieler ist jedoch die moderne Landwirtschaft: Das Abmähen blühender Flächen, Pestizideinsatz und Monokulturen haben gerade im ländlichen Raum zu einem dramatischen Artensterben geführt, so dass die Bestandsdichte viele Hummelarten inzwischen stark abgenommen hat.

In Städten wie Linz ist die Vielfalt an Hummelarten inzwischen größer als in agrarisch genutzten Gebieten, da sie hier geeignete Lebensraumstrukturen wie Gärten, Brachen und Parks vorfinden. Im Agrarland wären dies Blühstreifen, Ackerrandstreifen, Grünland und Hecken, diese fehlen dort jedoch häufig. Auch das Nahrungsangebot ist in den Städten besser und vor allem dauerhafter, denn nach Obstbaum- und Rapsblüte sieht es für die pelzigen Brummer auf Wiesen, Äckern und Feldern sehr düster aus.

Vom Klimawandel und der damit einhergehenden Erwärmung sind die Hummeln besonders betroffen, da sie auf Grund ihres dichten Haarkleides an kühlere Temperaturen angepasst sind und leicht an Überhitzung leiden und auch daran sterben können.

Hilfe für Hummeln

Wer Hummeln helfen will, sollte seinen Garten oder auch seinen Balkon möglichst blütenreich mit vielen heimischen Pflanzen gestalten. Die Schaffung von Kleinstrukturen wie Trockenmauern, Totholzhaufen und offenen Bodenstellen im Garten sorgt darüber hinaus für geeignete Nistmöglichkeiten.

Besonders beliebt sind bei Hummeln die Blüten von Hornklee, Rotklee, Taubnesseln, Salbei, Ziest, Braunelle, Flockenblume, Akelei, Disteln, ungefüllten Rosen, Obstgehölzen, Beerensträuchern, Weiden und fast allen Gewürz- und Heilkräutern sowie von Löwenmaul, Zinnien und ungefüllten Pfingstrosen.

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